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Hochkomplexen Bewegungs- und Ausdrucksformen, 2015

Die Dänische Bildhauerin Helle Rask Crawford holt sich für ihre bezaubernden Bronzefiguren die Inspiration vorwiegend aus der Mythologie. Die Gestallt der Venus (Venus meets her first Challenge) lässt sie jedoch nicht heroisch auftreten, vielmehr versetzt sie sie augenzwinkernd in eine unangenehmen Situation: Soeben ihrer Muschel entstiegen, klappt diese zu und gibt den Fuss der Göttin nicht mehr frei.
Crawford zeigt den Moment, in den die nach forne strebende Venus sich plötzlich erschrocken umblickt. Dabei gelingt der Künstlerin eine wunderbare Pose durch die Balance von Stand- und Spielbein und den eleganten Schulterblick, der den Arm nach hinten mitfürht. Damit behält die Göttin trotz des Misgeschicks ihre volle Würde bei.
Diese hochkomplexen Bewegungs- und ausdrucksformen sind typisch für Crawfords Bronzen. Es gelingt Ihr damit ein ganzes Spektrum von Gefühlen und Idéen so umzusetzen, dass der Betrachter diese tatsächlich warnimmt. Selbst der Kleine Torso (Tiny Torso) wirkt mit seiner vibrierenden Oberfläche durchlebt. Überrashcend dramatisch zeigt sich eine weibliche Figur (On the Edge), die von ihrem hohen Sockel in die Tiefe zu stürtzen scheint. Crawford fängt auch hier wieder den spannendsten Moment ein: Auf Zehenspitzen beugt sie ihren Oberkörper nach Unten, der sich gerade noch auf den Podest hält. Das bewegende Spiel mit der Balance und der ungeheuren Körperspannung spitzt die Bildhauerin noch zu, indem sie die Ärme einfach weglässt. Dadurch wirkt die Silhouette der Figur noch deutlich dramatischer.

Dr. Phil. Ingrid Gardill
Kunsthistorikerin 2015

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